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Arzneipflanze des Jahres 2021



Myrrhenbaum – Arzneipflanze des Jahres

Zur Weihnachtszeit hat der Name „Myrrhe“ einen feierlichen Klang. Schließlich war Myrrhe eine der drei Gaben, die die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesuskind in der Krippe schenkten – neben Gold und Weihrauch. Zu Jesu Zeiten war das Harz des Myrrhenstrauchs oder -baums ebenso wie Weihrauchharz eines der wertvollsten Güter überhaupt. Schon im Altertum bildete Myrrhenharz den wichtigsten Bestandteil des heiligen Salböls. Herausragende Persönlichkeiten wurden damit gesalbt.

Aromatisches Gummiharz

Myrrhe bezeichnet das getrocknete, aromatisch riechende Gummiharz aus der Rinde verschiedener Commiphora-Arten. Die bekannteste Art ist Commiphora molmol (= Commiphora myrrha) – die Echte Myrrhe. Sie ist in Nordostafrika und Arabien heimisch und präsentiert sich als bis zu drei Meter hoher, dorniger Strauch oder Baum. Der Myrrhenbaum gehört ebenso wie der Weihrauchbaum (z. B. Boswellia serrata) zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae).

Lange Heiltradition

Myrrhe galt seit jeher auch als wertvolles Heilmittel. Zu antiken Zeiten diente es vor allem der Wundversorgung. Die medizinische Verwendung der Myrrhe setzte sich im Mittelalter fort, damals mit dem Hauptanwendungsgebiet Verdauungsstörungen. Die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts nannten Atemwegsbeschwerden als weitere Indikation. 

Wirksam auf Schleimhäuten

Heute werden Myrrhe-Zubereitungen in erster Linie lokal zur Behandlung leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (z. B. Myrrhen Tinktur Hetterich, Myrrhentinktur Hofmann’s® oder Repha Os® Mundspray) eingesetzt. Myrrhe-Inhaltsstoffe, vor allem die Furano-Sesquiterpene im ätherischen Öl, wirken adstringierend, antientzündlich und antimikrobiell. Erfahrungsheilkundlich kommt Myrrhe auch innerlich bei leichten Entzündungen der Darmschleimhaut zur Anwendung: Das traditionelle Arzneimittel Myrrhinil-Intest® (das Myrrhenpulver mit Kaffeekohlenpulver und Kamillenblütenextrakt kombiniert) wird zur unterstützenden Behandlung bei Magen-Darm-Störungen eingesetzt. Aufgrund positiver Studienergebnisse hat diese Kombination auch Eingang in die aktuelle S3-Leitlinie zur Colitis ulcerosa gefunden. Sie wird hierin als mögliche Begleittherapie genannt, um eine Beschwerdefreiheit aufrechtzuerhalten. Möglicherweise verhelfen derzeitige pharmakologische Forschungen dem Myrrhenbaum noch zu weiteren Einsatzgebieten. 

Lange Geschichte und Zukunftspotenzial

Die große medizingeschichtliche Bedeutung sowie die zukunftsweisenden Aspekte waren ausschlaggebend dafür, dass die Echte Myrrhe zur Arzneipflanze des Jahres 2021 gekürt wurde. Sie löst den ECHTEN LAVENDEL ALS ARZNEIPFLANZE DES JAHRES 2020 ab. Die Wahl zur Arzneipflanze des Jahres trifft seit 1999 jährlich der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde.

https://www.ptaheute.de/news/artikel/arzneipflanze-und-heilpflanze-des-jahres-2021/